SaaS, PaaS, IaaS, S+S, Cloud Computing – Durchblick im Begriffswirrwarr


 

Wie bereits mehrfach in der Vergangenheit ist es der IT-Branche auch beim Thema Software-as-a-Service geglückt, mit unterschiedlichen Begriffen und Buchstabenkombinationen für Verwirrung im Markt zu sorgen. Wo beginnt PaaS und wo hört IaaS auf? Ist Cloud Computing dasselbe wie SaaS oder nicht? Wenn man IaaS und PaaS kombiniert, kommt man dann zu SaaS? Obwohl es derzeit schwierig ist, für die einzelnen Begriffe eine allgemein gültige Definition und Abgrenzung zu finden, möchte ich dennoch den Versuch starten, für etwas Durchblick im Begriffswirrwarr zu sorgen.

Cloud Computing – Arbeiten in der Wolke
Und auch dies kennen wir aus der „IT-Historie“: Kaum hat sich die IT-Branche in groben Zügen auf einen bestimmten Begriff geeinigt – in diesem Fall: Software-as-a-Service (SaaS) – „schießt“ auf einmal ein völlig anderer Begriff aus dem scheinbaren Nichts – in diesem Fall „Cloud Computing“ – und vermittelt den Eindruck, alles bisherige sei bereits wieder „von gestern“. Lassen Sie mich also mit dem Versuch einer Definition des „Hype-Begriffs“ das Jahres 2009 beginnen.

Sucht man heute nach irgendeiner Definition oder Begriffsbestimmung, so hilft in der Regel ein Blick ins Internet. Und da lernt man dann schnell, dass Cloud Computing ein bislang nicht eindeutig und allgemeingültig definierter Begriff ist (vgl. wikipedia.org), es aber bereits eine Reihe von „pragmatischen Definitionsansätzen“ gebe.

Und dann wird in der Regel Forrester Research zitiert, das Cloud Computing als einen Pool aus abstrahierender, hochskalierbarer und verwaltbarer IT-Infrastruktur definiert, die Kundenanwendungen vorhält und nach Verbrauch abgerechnet wird. Aha! – das ist also ein pragmatischer Definitionsansatz …!

Zweiter Versuch: Wir fragen die Firma Saugatuck Technology. Diese erklärt: „Cloud Computing umfasst On-Demand-Infrastruktur (Rechner, Speicher, Netze) und On-Demand-Software (Betriebssysteme, Anwendungen, Middleware, Management- und Entwicklungstools, die jeweils dynamisch an die Erfordernisse von Geschäftsprozessen angepasst werden.“ Alles klar, oder?

Und da ja aller guter Dinge „drei“ sind, möchte ich noch eine Begriffsbestimmung anfügen, die ich in einem Vortrag von Prof. Dr. Jakob Rehof, Direktor von Fraunhofer ISST, gehört habe, und die mir den Begriff am plausibelsten erklärt hat. Auch Prof. Rehof schließt sich der allgemeinen Meinung an, dass es derzeit noch keine allgemeine Definition gibt, unternimmt dann aber eine Begriffsbestimmung aus Sicht der einzelnen Marktteilnehmer. So stellen seiner Meinung nach Service-Provider das Modell von On-Demand Services in den Mittelpunkt.

Software-Anbieter würden unter diesem Begriff gehostete Geschäftsanwendungen als Cloud Computing vermarkten – meist in Kooperation mit Service Providern. Anbieter von Virtualisierungs-Lösungen und -Modellen interpretieren die „Wolke“ als Virtualisierungssoftware, die zugleich Cluster für ein dynamisches Computing enthält. Auch auf Anwenderseite – so Prof. Rehof auf einer Veranstaltung des IKT.NRW im Juni 2009 in Köln – deuteten viele den Begriff je nach Herausforderung und Herangehensweise derzeit noch völlig unterschiedlich.

Die Definition von Prof. Rehof macht deutlich, warum es in der IT-Technologie (…aber nicht nur dort …) manches Mal so schwer ist, eine eindeutige Definition für einen Fachbegriff zu finden. Viele dieser Begriffe und Begrifflichkeiten werden durch das „Business“ der Marktteilnehmer getrieben, und da möchte natürlich jeder hinter einem Begriff das verstanden wissen, was er selbst zu bieten hat.

Iaas, PaaS und SaaS – der Servicegedanke steht im Vordergrund
Auch wenn eine grundlegende Definition des Begriffs Cloud Computing noch schwer fällt, scheint das dahinter stehende Konzept doch einiges an Potential zu bieten, sich auch im deutschen Markt zu etablieren. Doch genau an dieser Stelle fragt sich der geneigte Beobachter, was denn nun aus den verschiedenen „X as a Service“-Modellen wird. Werden sie durch Cloud Computing abgelöst? Wo überlappen sie sich? Sind sie etwas komplett anderes?

Lassen Sie mich deshalb im Folgenden wenigstens auf die Begriffe Software-as-a-Service (SaaS), Infrastructure-as-a-Service (IaaS), Platform-as-a-Service (PaaS) und Software-plus-Services eingehen, und den Versuch starten, eine einigermaßen scharfe Abgrenzung der Begriffe untereinander und vom Begriff Cloud Computing zu formulieren.

SaaS, IaaS, PaaS, Cloud Computing - schematische Darstellung

Software-as-a-Service (SaaS): Um Software-as-a-Service kurz SaaS wird heute ein Modell zur Bereitstellung von Software über das Internet verstanden. Der Anbieter stellt diese nicht nur zur Verfügung, er ist auch für die Wartung und die Administration zuständig. Der Kunde nutzt die Anwendung über das Internet ohne sie zu besitzen, d.h. er bezahlt für die Nutzung der Anwendung. Ich denke, dass mit dieser Definition die meisten derzeit als SaaS-Lösungen angebotenen Software-Anwendungen abdeckt werden können.

Infrastructure-as-a-Service (IaaS): Auch dieser Begriff ist verhältnismäßig einfach zu definieren und abzugrenzen. Wie bei Software-as-a-Service Software bereit gestellt wird, geschieht dies bei „IaaS“ mit IT-Infrastruktur, z.B. Archivierungs- und Backup-Systemen oder Servern. Diese Infrastruktur kann natürlich auch Softwarekomponenten, z.B. die entsprechende Management-Software enthalten. Der Schwerpunkt liegt aber auf der Infrastruktur.

Platform-as-a-Service (PaaS): Dieser Begriff ist weiter gefasst als der IaaS-Begriff. Bei „PaaS“ geht es um die Bereitstellung einer kompletten Plattform, also Hardware UND Software, als Service. Diese Plattform kann dann dazu genutzt werden, um SaaS-Lösungen zu entwickeln und zu betreiben oder diese mit traditionellen Software-Anwendungen zu integrieren. Schon heute gibt es eine Reihe von PaaS-Angeboten wie z.B. Force.com von Salesforce.com, Web Service Factory von StoneOne oder UniPaaS von Magic Software.

Software-plus-Service (S+S): Hierbei handelt es sich laut eigener Unternehmensaussage um die übergreifende Strategie von Microsoft, in der Serviceorientierte Architektur (SOA), SaaS Hosting und Cloud Computing aufgehen. Nach Ansicht des Softwaregiganten ist nämlich weder eine reine Online-Strategie ausreichend, noch wird Software wie in der Vergangenheit ausschließlich lokal installiert werden. Als Codenamen für dieses Konzept, das im November 2009 offiziell gelauncht wurde, hat Microsoft den schönen Namen „Azure“ gewählt. Vielleicht soll das ja versinnbildlichen, dass man bei Microsoft die Zukunft nicht „wolkig“, sondern „himmelblau“ sieht.

Cloud oder nicht Cloud – das ist hier die Frage …
Wie die Grafik verdeutlicht, können alle XaaS-Angebote über die Cloud angeboten werden, müssen es aber nicht. Die meisten heute am Markt verfügbaren Software-as-a-Service-Lösungen werden nicht in der Cloud, sondern im Rechenzentrum des Dienstleisters, bzw. seines RZ-Partners betrieben. Damit weiß der Anwender auch zu jeder Zeit, wo seine mit dieser SaaS-Lösung verarbeiteten Daten liegen – derzeit ein heiß diskutierter Themenkomplex zum Cloud Computing.

Allerdings definieren Cloud-Experten ein abgegrenztes Rechenzentrum eines Dienstleisters als so genannte „private cloud“ (in Abgrenzung zur „public cloud“), so dass man auch in diesem Fall von „Cloud Computing“ sprechen kann.

Auf der anderen Seite bietet das Cloud Computing natürlich den Vorteil, bedarfsgerecht Infrastruktur und Plattform zur Verfügung zu stellen, um SaaS-Lösungen kostengünstig und effizient zu betreiben. Es wird also zukünftig sicher SaaS-Angebote geben, die aus Kosten- und Flexibilitätsgründen auch in der „public cloud“ betrieben werden.

Unabhängig vom verwendeten Begriff oder Kürzel muss es aber die Aufgabe eines jeden XaaS-Dienstleisters sein, dem Kunden klar und deutlich zu erklären, welches konkrete Angebot sich dahinter verbirgt. Der Anwender wird sich nämlich sicher nicht von irgendwelchen Hype- oder Trendbegriffen und schon gar nicht von sich laufend ändernden Buchstabekombinationen und Kürzeln leiten lassen – da hat er sicher aus der Vergangenheit gelernt – sondern in die Lösung investieren, die ihm einen nachweisbaren Nutzen bringt.

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1 Antwort

  • [...] versucht in einem Artikel etwas Struktur in dieses Begriffsdickicht zu bringen. Mit dem Artikel SaaS, PaaS, IaaS, S+S, Cloud Computing – Durchblick imBegriffswirrwarr bekommt man zumindest eine gute Strukturierung. Am Begriff trat Computing beißt sich der Autor [...]

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